6 wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Kind in einer Depression unterstützen können

Wie kann ich mein Kind im Alltag unterstützen? Welche Strategien sind hilfreich?
Solche Fragen beschäftigen Sie sicherlich, wenn Ihr Kind an einer Depression leidet. In diesem Artikel zeige ich Ihnen Möglichkeiten, die Sie als Eltern haben, um Ihr Kind zu unterstützen. Bitte beachten Sie jedoch, dass es kein Patentrezept gibt. Jedes Kind hat andere Bedürfnisse. Somit können meine Ideen nur Richtlinien für den Umgang mit einem depressiven Kind sein.

Kinder mit einer Depression brauchen verständnisvolle und unterstützende Eltern. Foto: Khadeeja Yasser/Unsplash

Mit der Depression Ihres Kindes ist oft eine Abwärtsspirale entstanden

Durch die Depression gelangt Ihr Kind in eine Art „Abwärtsspirale“. Aufgrund der depressiven Stimmung und des fehlenden Antriebs werden viele Aktivitäten vermieden. Dadurch gehen auch solche Aktivitäten verloren, die potenziell angenehm sind und Erfolgserlebnisse ermöglichen.

Durch das Wegfallen angenehmer Aktivitäten kann die depressive Stimmung wiederum verstärkt werden. Ein Teufelskreis oder die sogenannte Abwärtsspirale ist entstanden.

Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Dies ist jedoch keine einfache Aufgabe. Es ist normal, wenn Sie dabei an Ihre Grenzen stoßen. Daher ist es auch absolut in Ordnung, wenn Sie selbst zum Beispiel psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen.

6 wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Kind bei einer Depression am besten unterstützen können:

1.) Ein geregelter Tagesablauf und Routinen wirken bei einer Depression Ihres Kindes entlastend

2.) Zeigen Sie Verständnis und nehmen Sie sich Zeit für Gespräche

3.) Planen Sie regelmäßige Aktivitäten und überschaubare Aufgaben ein

4.) Negatives Denken gehört zu einer Depression eines Kindes dazu – brechen Sie es auf

5.) Geben Sie Ihrem Kind Raum um eigene Entscheidungen zu treffen

6.) Sorgen Sie für sich selbst – Sie brauchen die Kraft

 

Tipp 1 bei der Depression Ihres Kindes: Tagesablauf & Routinen

Unterstützen Sie Ihr Kind dadurch, dass Sie einen normalen und geregelten Rhythmus im Alltag aufrechterhalten. Nehmen Sie beispielsweise die (Haupt-)Mahlzeiten gemeinsam ein und stellen Sie sicher, dass Ihr Kind seine üblichen, altersgemäßen Aufgaben wahrnimmt. Hierzu zählt insbesondere der Schulbesuch.

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind altersangemessene Schlafens- und Wachzeiten hat. Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf sollte vermieden werden.

Planen und verbringen Sie gemeinsame Zeiten und gestalten Sie angenehme Familienaktivitäten. Hierdurch ermöglichen Sie, dass Ihr Kind angenehme Erfahrungen und Erlebnisse machen kann, die durch die Depression häufig vernachlässigt werden.

Bewegen Sie sich gemeinsam an der frischen Luft, schaffen Sie Räume für aktives Genießen. Das tut Ihrem Kind und Ihnen gleichermaßen gut.

Tipp 2 bei der Depression Ihres Kindes: Gesprächsbereitschaft

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie gesprächsbereit sind. Bieten Sie immer wieder Gespräche an, auch wenn diese abgelehnt werden oder schon mehrfach abgelehnt wurden. Sie zeigen Ihrem Kind damit „ich bin für dich da!“. Gleichzeitig signalisieren Sie damit Interesse an Ihrem Kind. Diese Botschaft kommt auf jeden Fall an! Allerdings sollten Sie sich nicht aufdrängen oder Gespräche erzwingen. Ihr Kind wird Ihnen zeigen, wenn es bereit ist, mit Ihnen zu sprechen. Zeigen Sie dann ehrliches Interesse, hören Sie aufmerksam zu und nehmen Sie sich Zeit.

Machen Sie deutlich, dass Sie für die Probleme und Gefühle Ihres Kindes Verständnis haben und diese ernst nehmen. Vorwürfe wie „kannst du nicht endlich mal…“ bringen nichts außer Frust. Die Depression hat Ihr Kind im Griff. Wenn Sie also mal Wut oder Ärger verspüren sollten (keine Sorge, das ist normal!), machen Sie sich bewusst, dass Sie wütend auf die Depression sind und nicht auf Ihr Kind.

Sollte es Belastungen im Alltag Ihres Kindes geben, schaffen Sie Entlastung. Falls es Leistungsdruck gibt, bauen Sie diesen ab und vermeiden Sie eine Überforderung Ihres Kindes. Machen Sie sich bewusst, dass Sie hierbei auch ein Vorbild für Ihr Kind sind. Wenn Sie selbst stets unter Hochspannung stehen und hohe Leistungsanforderungen an sich selbst stellen, wie kommt das wohl bei Ihrem Kind an?

Tipp 3 bei der Depression Ihres Kindes: Aktivitäten und Aufgaben übertragen

Um der weiter oben beschriebenen Abwärtsspirale entgegenzuwirken, sollten angenehme und erfolgsversprechende Aktivitäten möglichst regelmäßig eingeplant werden. Aktivitäten mit Gleichaltrigen und Freunden sollten Sie daher fördern. Regen Sie Ihr Kind an, an sozialen Kontakten teilzunehmen.

Übertragen Sie Ihrem Kind Aufgaben, die überschaubar sind und die es mit großer Wahrscheinlichkeit meistern kann. Loben Sie selbst kleine Schritte und Erfolge. Es ist wichtig, dass Ihr Kind Erfolgserlebnisse hat, damit es eine positive Selbstwahrnehmung entwickeln kann. Diese ist durch die Depression massiv getrübt. Die Stärken Ihres Kindes sollten Sie stets betonen. Darauf aufbauend können Sie Ihrem Kind Aufgaben übertragen und es um Hilfe bitten. Sie signalisieren Ihrem Kind damit, dass Sie ihm vertrauen, die Aufgaben zu bewältigen. Dies kann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken.

Schaffen Sie gemeinsame Auszeiten und schöne gemeinsame Momente, wenn Ihr Kind eine Depression hat. Foto: Benjamin Manley/Unspalsh

Tipp 4 bei der Depression Ihres Kindes: Negative Gedanken aufbrechen

Helfen Sie Ihrem Kind dabei, negatives Denken zu durchbrechen. Die Depression führt dazu, dass Ihr Kind eigene Erfolge schmälert und abwertet, Fehler werden hingegen überbewertet. Persönliche Schuldzuweisungen und depressions-typisches Schwarz-Weiß-Denken sollten benannt und hinterfragt werden. Unterstützen Sie Ihr Kind bei einer aktiven Problemlösung: helfen Sie ihm, Probleme Schritt für Schritt anzugehen und zu lösen. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Lösung und damit auch die Möglichkeit, persönliche Erfolge zu erleben.

Tipp 5 bei der Depression Ihres Kindes: eigene Entscheidungen überlassen

Sie können einiges tun, um Ihr Kind im Alltag zu unterstützen und zu entlasten. Dennoch ist es genauso wichtig, dass Sie Ihrem Kind den Raum lassen, eigene Entscheidungen zu treffen. Ihr Kind sollte möglichst viel selbst machen können und Verantwortung übernehmen. Es einzuengen und vor allem möglichen beschützen zu wollen, kann auch gegenteilige Effekte haben und die Depression sogar verstärken.

Eine ausgewogene Balance aus Hilfe und Selbstbestimmung ist also wichtig. Dass hier bei Eltern Unsicherheiten auftreten, ist ganz normal. Sprechen Sie darüber bei Bedarf mit einem Experten.

Tipp 6 bei der Depression Ihres Kindes: Selbstfürsorge

Bei aller Sorge um Ihr psychisch belastetes Kind: verlieren Sie nicht den Blick auf sich selbst. Haben Sie Geduld mit Ihrem Kind – und mit sich selbst! Sie sind mit einer sehr großen Aufgabe konfrontiert. Da ist es normal, Ärger zu spüren oder Angst oder auch Verzweiflung. Wenn Sie sich überfordert fühlen, nehmen Sie Unterstützung und Hilfe in Anspruch. Das hat nichts mit Schwäche zu tun!

Achten Sie auf ein gutes Maß an Selbstfürsorge im Alltag, damit Sie bei Kräften bleiben. Wenn Sie selbst erschöpft und kraftlos sind, können Sie für niemanden eine Hilfe sein.

Und zu guter Letzt: verlassen Sie sich auch auf Ihre elterliche Intuition, die Sie auf jeden Fall besitzen. Stellen Sie sich die Frage, was Ihr Kind gerade braucht. Vertrauen Sie dabei Ihrer inneren Stimme. Lesen Sie gern hierzu auch meinen Blogartikel “Selbstfürsorge für Eltern psychisch kranker Kinder”

„Beziehungen münden immer in einer Wechselwirkung zwischen Festhalten und Loslassen.“

– Unbekannt

Dieses Zitat verdeutlicht sehr gut, dass Sie, als Mutter oder Vater eines psychisch erkrankten Kindes einer großen Herausforderung gegenüber stehen. Halt geben, an den richtigen Stellen loslassen und sich selbst auch noch absichern – keine leichte Aufgabe.

Welche Tipps haben Sie schon ausprobiert? Was hat Ihnen bisher am meisten geholfen? Ich freue mich über Ihre Kommentare!

Ich bin Isabelle Hennig und ich bin Psychologin (M.Sc.). In meiner Zeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Uniklinik Dresden habe ich auf der Spezialstation für Essstörungen gearbeitet.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern ganz nachvollziehbar selbst psychisch belastet waren. Im Trubel des Familienalltags und verbunden mit den zusätzlichen Terminen und Wegen aufgrund der psychischen Erkrankung des Kindes fehlte jedoch die Zeit dafür, auf sich selbst zu schauen und gut für sich zu sorgen.

Mit meiner Online-Beratung biete ich Eltern mit einem psychisch erkrankten Kind professionelle psychologische Unterstützung, bequem von zu Hause aus, ohne Warte- und Fahrzeiten.

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