Depressionen und Suizidgedanken bei Kindern und Jugendlichen

Suizidgedanken sind laut Studienergebnissen bei Jugendlichen kein seltenes Phänomen. Je nach Untersuchung berichten zwischen 14 und 40 Prozent der befragten Jugendlichen darüber, schon einmal Suizidgedanken gehabt zu haben. Also durchschnittlich jeder 3. Jugendliche in Deutschland. Suizidgedanken sind oft jedoch ein Tabuthema und auf Seiten der Eltern besteht diesbezüglich große Unsicherheit.

Suizidgedanken und Depression bei Kindern und Jugendlichen

Wenn ein Kind Suizidgedanken äußert, fragen sich die Eltern, wie sie damit umgehen sollen – ansprechen oder schweigen?

Ursachen von Suizidgedanken

Als Suizidgedanken werden all jene Überlegungen bezeichnet, die sich damit beschäftigen, das eigene Leben aktiv zu beenden. Ich bevorzuge es, anstelle von Ursachen für Suizidgedanken von Risikofaktoren zu sprechen. Bitte beachten Sie: Eine individuelle Risikoabschätzung kann nur durch eine professionelle Person vorgenommen werden. In akuten Notfällen ist es unbedingt notwendig, den Rettungsdienst zu rufen oder selbständig in die nächstgelegene Notaufnahme zu fahren!

Die folgende Aufzählung soll einen Überblick über mögliche Risikofaktoren geben, aber sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine psychische Erkrankung, z.B. eine Depression, Suchterkrankung oder Essstörung, stellt den wichtigsten Risikofaktor für Suizidgedanken und Suizidalität dar. Aber Achtung: eine Depression oder andere psychische Erkrankung geht nicht zwangsläufig immer mit Suizidgedanken einher. Weitere Risikofaktoren können bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sein, wie beispielsweise etwa ein niedriger Selbstwert, geringe Frustrationstoleranz, emotionale Instabilität, Perfektionismus oder eine negative Zukunftssicht. Stressoren wie Mobbing, häufige Streitigkeiten und ungelöste Konflikte, Trennung der Eltern oder der Verlust einer (Liebes-)Beziehung können ebenso Risikofaktoren für Suizidgedanken und Suizidalität sein.

Umgang mit Suizidgedanken

Wenn ein Kind Suizidgedanken äußert, sind Eltern verständlicherweise meist schockiert, erschrocken und sehr verunsichert. Tod und Sterben und somit auch Suizidalität sind noch immer Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Auch äußern Angehörige die Angst, Suizidgedanken und Suizidalität zu verstärken, wenn sie mit ihrem Kind darüber sprechen. Dieser Annahme kann jedoch widersprochen werden, wie wissenschaftliche Studien gezeigt haben. Wenn Ihr Kind Suizidgedanken äußert oder wenn Sie als Eltern befürchten, dass Ihr Kind Suizidgedanken hat, sprechen Sie mit Ihrem Kind.

Tipps zum Umgang mit Ihrem Kind, wenn es Suizidgedanken hat

❤ Fragen Sie direkt, nicht-wertend und zugewandt nach

❤ Hören Sie aufmerksam zu und versuchen Sie (auch durch interessiertes Nachfragen), die Situation und Perspektive Ihres Kindes nachzuvollziehen

❤ Verzichten Sie auf vorschnelle Lösungsmöglichkeiten („Wenn es dir damit so geht, dann lass uns doch XY tun…“) und Beschwichtigungen („So schlimm ist das doch alles gar nicht!“)

❤ Verzichten Sie darauf, die Sichtweise Ihres Kindes zu bewerten („Das ist doch kein Grund sich umzubringen!“)

❤ Reagieren Sie stattdessen verständnisvoll und nehmen Sie sich Zeit

Verständnisvoll zu reagieren ist in einer solchen Situation sicherlich eine große Herausforderung für die meisten Eltern. Immerhin geht es darum, dass das eigene Kind nicht mehr am Leben sein will. Machen Sie sich folgendes bewusst: Ihr Kind ist aktuell mit einer Situation konfrontiert, durch die es sehr stark belastet ist. SO stark belastet, dass aus seiner Sicht der Tod oder zumindest die Gedanken daran, tot zu sein, am aussichtsreichsten erscheinen, um dieser Situation und den schmerzlichen Gefühlen zu entkommen. Der eigene Tod wird bei den Betroffenen als Ausweg aus einem unaushaltsamen Befinden gesehen. Vielleicht hilft Ihnen diese Sichtweise, etwas mehr Verständnis für die Reaktion Ihres Kindes zu haben.

Weitere Tipps zum Umgang mit Suizidgedanken

❤ Nehmen Sie die genannten Probleme Ihres Kindes ernst, machen Sie sich nicht darüber lustig, auch wenn Sie die Schilderungen im 1. Moment nicht nachvollziehen können

❤ Versuchen Sie herauszufinden, welche Gründe Ihr Kind für die Suizidgedanken hat und fragen Sie danach, welche Lösungsversuche Ihr Kind bereits unternommen hat.

❤ Fragen Sie Ihr Kind, welche Unterstützung es gerade braucht und bieten Sie Ihre Unterstützung an

❤ Bringen Sie Ihr Kind unbedingt in Kontakt mit professionellen Hilfen, z. B. über den Kinderarzt/die Kinderärztin oder Kinder – und Jugendlichenpsychotherapeut:innen. Psychische Probleme und v.a. Suizidgedanken sollten immer professionell abgeklärt werden!

Suizidgedanken – Akute Notfälle

Wenn Sie sich große Sorgen um die Sicherheit Ihres Kindes machen, weil die Suizidgedanken so stark sind, oder weil Ihr Kind sehr konkrete Pläne hat, sich das Leben zu nehmen, rufen Sie den Rettungsdienst (112) oder fahren Sie in die nächstgelegene Notaufnahme!

 

Kümmern Sie sich auch um sich selbst

Wenn Ihr Kind Suizidgedanken hat, dann geht es gerade durch eine schwere Zeit. Möglicherweise ist es psychisch stark belastet und das zeigt sich meist auch im Familienalltag. Und Sie begleiten Ihr Kind dabei und setzen alles daran, es in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Das ist anstrengend, kräftezehrend und verunsichernd. Achten Sie in dieser Zeit auf sich! Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, scheuen Sie sich bitte nicht davor.

In meiner Online-Beratung arbeite ich nicht mit Kindern und Jugendlichen selbst. Mein Anliegen ist es, Eltern in dieser herausfordernden Zeit eine Unterstützung zu sein. Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie Fragen zum Thema Suizidgedanken haben.

 

„Zeigen Sie Verständnis für den Gedanken, als unerträglich Empfundenes beenden zu wollen, ohne den Suizid gutzuheißen.“

(BPtK Elternratgeber)

Ich bin Isabelle Hennig und ich bin Psychologin (M.Sc.) und Psychologische Psychotherapeutin für Erwachsene. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie habe ich auf der Spezialstation für Essstörungen gearbeitet.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern ganz nachvollziehbar selbst psychisch belastet waren. Im Trubel des Familienalltags und verbunden mit den zusätzlichen Terminen und Wegen aufgrund der psychischen Erkrankung des Kindes fehlte jedoch die Zeit dafür, auf sich selbst zu schauen und gut für sich zu sorgen.

Mit meiner Online-Beratung biete ich Eltern mit einem psychisch erkrankten Kind professionelle psychologische Unterstützung, bequem von zu Hause aus, ohne Warte- und Fahrzeiten. Als ausgebildete Psychotherapeutin stehe ich Ihnen mit meiner Kompetenz zur Seite. Kontaktieren Sie mich gerne.

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